FODMAP-Diät? Schon wieder eine neue Diät?

Ja, tatsächlich, die FODMAP-Diät bzw. die FODMAP-arme Ernährung ist eine neue Diät. Das heißt, so neu ist sie eigentlich gar nicht, sie wurde bereits vor mehreren Jahren in Australien entwickelt, aber in Deutschland ist sie noch relativ unbekannt. Das liegt daran, dass die meisten Bücher und Informationen zu FODMAP bisher nur in englischer Sprache zu haben waren. So erreichten sie nur einen begrenzten Interessentenkreis.

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Diät? Spinnst du jetzt auch?

Aber bevor wir richtig einsteigen, zunächst einmal zum Wort „Diät“. Abgesehen von den sehr unterschiedlichen Reaktionen darauf („Diät? Spinnst du jetzt auch?“ oder „Wie Diät? Du bist doch nicht dick!“ oder „Ja, ein paar Kilo weniger könnten dir nicht schaden!“…), könnte man sich einfach mal die ursprüngliche Bedeutung des Wortes bzw. die Definition anschauen. „Diät“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet  „Lebensführung, Lebensweise“.  Aha. Und weiter:  „Eine Diät dient entweder der Gewichtsabnahme oder der Behandlung einer Krankheit.“ Erneutes Aha.

Eins lässt sich daraufhin schon mal feststellen: Die FODMAP-Diät hat nichts mit Abnehmen zu tun. Wer also vom Wort Diät in diese Richtung gelockt, sich von der FODMAP-Diät erhofft, die Pfunde purzeln zu lassen, kann diese Seite getrost wieder verlassen.

FODMAP? Fehlt da nicht ein O?

Es wird immer weniger Korrektur gelesen und das Internet wimmelt vor Rechtschreibfehlern. Stimmt. Aber in diesem Fall nicht. Da fehlt kein O.  So naheliegend die Verbindung Diät und Food wäre, FODMAP hat nichts mit dem englischen Wort „food“ für Nahrung zu tun, sondern ist eine Abkürzung  für bestimmte Nahrungsbestandteile. Und zwar jene Moleküle, die bei der besagten Diät vermieden bzw. vermindert gegessen bzw. getrunken werden sollen. FODMAP ist also ein künstlicher Begriff.

Und was heißt FODMAP?

Die Erklärung der einzelnen Buchstaben klingt erstmal abschreckend: Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und (And) Polyole. Das ist starker Tobak. Was, um Himmels Willen sind Polyole und man fragt sich: Muss ich erst Chemie studieren, um das Konzept zu kapieren?  Nein, auf keinen Fall. Aber es waren eben eine Ernährungswissenschaftlerin und ein Arzt, die die FODMAP-Diät entwickelt haben. Das hat durchaus Vorteile und hat man erst einmal heraus, was sich hinter den diversen Sacchariden und Polyolen versteckt, wird die ganze Sache recht klar.

Die FODMAP-Prinzipien – kein Hokuspokus

Das Konzept hinter der FODMAP-Diät steht auf festen Beinen. Fester als so manch andere Theorien, die auf abenteuerlichen Hypothesen basieren und keinerlei wissenschaftlichen Nachweis führen können. FODMAP hat keinen ideologischen Hintergrund, sondern einen recht pragmatisch medizinischen. Bestimmte Stoffe in der Ernährung zu reduzieren oder wegzulassen dient bei der FODMAP-Diät dem einzigen Ziel, lästige und quälende Symptome zu vermeiden.

FODMAPs und der Dünndarm – eine schwierige Beziehung

Bei besagten Zuckern und Zuckeraustauschstoffen hat man festgestellt, dass sie aus unterschiedlichen Gründen schwer im Dünndarm aufgenommen werden können. Bei den Polyolen zum Beispiel, die sich in vielen Diätprodukten verstecken,  sind die Moleküle zu groß, um die Darmwand zu passieren, bei der Fruktose gibt es nur begrenzte Transportkapazitäten, bei der Laktose sichern Enzyme den Transport durch die Darmwand und bei manchen Menschen gibt es mehr, bei manchen weniger davon. Dazu kommt: FODMAPs können sehr viel Wasser binden. Das Wasser, das sich im Darm sammelt erhöht die Transportgeschwindigkeit und führt zu häufigerem Stuhlgang bis hin zu Durchfall.

FODMAPs im Dickdarm – vergären und blähen

Die FODMAPs werden aus besagten Gründen also relativ schnell weiter in den Dickdarm transportiert. Dort macht sich die Darmflora an die Arbeit und bei dieser Arbeit entstehen Gase. Diese verursachen dann Blähungen.

FODMAP-arme Ernährung – Symptome reduzieren und vermeiden

Für Menschen mit Reizdarm ist die FODMAP-arme Ernährung erwiesenermaßen gut. Jedenfalls besser als die sonst bei Reizdarm empfohlenen Diätvorschriften. Aber dann gibt es noch viele andere Menschen, die Verdauungsprobleme haben, die sich nicht wirklich erklären lassen. Die keine Zöliakie haben, keinen Morbus Crohn und keine Colitis ulcerosa. Die aber darunter leiden, dass sie immer wieder Beschwerden haben, Bauchschmerzen, Blähungen, die ganze Latte an Symptomen, auf die man gerne verzichten würde. Für diese Menschen könnte es sehr lohnenswert sein, sich ein wenig mit der FODMAP-Theorie zu befassen.

FODMAP-Diät – den Übeltätern auf der Spur

Die FODMAP-Diät fasst eine ganze Reihe von Stoffen zusammen, die verdauungstechnisch vielen Menschen Schwierigkeiten machen.  Sie listet aber im Gegenteil auch die vielen Lebensmittel auf, die arm an FODMAPs sind. Bei der FODMAP-Diät geht es nicht darum, strikt und für alle Ewigkeit auf FODMAP-reiche Lebensmittel zu verzichten, sondern darum, durch Weglassen und langsames wieder Hinzufügen herauszufinden, welche Lebensmittel jeder einzelnen Person in welchen Mengen gut tun. FODMAPs sind ja natürlich vorkommende Stoffe, die keineswegs schädlich sind. Bestimmte Ernährungsgewohnheiten und Entwicklungen haben aber dazu geführt, dass wir einfach zu viel dieser schwer verdaulichen Stoffe zu uns nehmen.

FODMAPs – was ist im Vergleich zu früher anders?

Unsere Ernährung verändert sich – genauso wie sich unsere Lebensweise verändert.

Süße ohne Kalorien – und was der Haken daran ist

Mangelnde Bewegung führt dazu, dass wir die Kalorien, die wir aufnehmen, immer schwerer verbrennen können. Um nicht auf den Genuss von süßen Getränken oder Süßigkeiten verzichten zu müssen, konsumieren wir mehr und mehr Lebensmittel, die mit künstlichen Süßstoffen gesüßt sind. Darunter die FODMAPs Sorbit (oder auch Sorbitol), Mannit (oder auch Mannitol) und Xylit (Xylitol). Sie finden sich in Getränken, Süßwaren, aber zum Beispiel auch in Soßen und Backwaren – und gesetzlich wird in vielen Fällen nur eine Kennzeichnung vorgeschrieben, wenn zum Beispiel mehr als 10 % Sorbit enthalten sind.

Fruktose und Laktose – allgegenwärtig und immer mehr

Dazu kommt, dass wir verstärkt industriell Verarbeitetes essen. Und diese Produkte enthalten nicht selten hohe Mengen an Laktose und Fruktose. Diese Zusätze kommen noch zu den Mengen an Fruktose und Laktose hinzu, die wir über den Verzehr von Obst, Gemüse und Milchprodukten natürlich aufnehmen. Unser pro Kopf Verbrauch von industriell verarbeiteter Fruktose hat sich seit den 70er Jahren ca. verzwanzigfacht. Und auch die Laktose hat unsere Teller im Sturm erobert. Laktose ist in milchpulverhaltigen Kaffeegetränken, süßen Riegeln, Schokoladeprodukten, Nougatcremes, Joghurt- und Quarkspeisen, Käse und in Nahrungsergänzungsmitteln in Tablettenform sehr reichlich enthalten. Da macht nicht nur der asiatische Darm mit einer genetisch bedingt schwächeren Laktaseaktivität schlapp, sondern auch der westeuropäische Darm hat damit seine liebe Mühe.

Fazit? – Ernährungstagebuch führen

Es lohnt sich m. A. nach für alle, die an Verdauungsbeschwerden leiden, sich einen Überblick über die FODMAPs zu verschaffen. Und auch wenn es tatsächlich einige Mühe macht, ein Ernährungstagebuch zu führen, so kann dieses zu so manchem Aha-Erlebnis führen, wenn man einen gewissen Zeitraum zuverlässig notiert, was man isst und wie man sich danach fühlt. Ich selbst war jedenfalls ziemlich erstaunt, als ich bemerkte, dass ich nach dem Genuss meines heißgeliebten Chai-Latte-Teepulvers regelmäßig deutliche Bauchschmerzen bekommen habe.

 

 

Die Einführung zur FODMAP-Diät
Das Standardwerk zum Reizdarm
Das würde Ihr Bauch kochen wenn Sie ihn fragen
Colitis ulcerosa, Morbus Crohn
Entspannung für den Darm
4 Wochen Plan für den Einsteiger
FODMAP-Tabellenband
Das Reizdarm Programm
Das Reizdarm Programm

 

 

 

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