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Reizdarm und Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO und SIFO)

Reizdarm und Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO)

Reizdarm und Dünndarmfehlbesiedelung – SIBO sind häufige Erkrankungen. Beide haben viele Ähnlichkeiten in Ursachen, Symptomen, Diagnostik (Tests), und Behandlung (Therapie). Therapeutisch stehen Ernährungsmaßnahmen (FODMAP Diät, Spezielle Kohlenhydrat-Diät (SCD)) und medikamentöse Therapie im Vordergrund. Medikamente sind Antibiotika oder natürliche Präparate und Probiotika. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Informationen in einer Zusammenfassung.

Was ist eine Dünndarmfehlbesiedelung / SIBO / SIFO?

Bei einer Dünndarmfehlbesiedlung (durch Bakterien: SIBO/DDFB, durch Pilze wie z.B. Candida: SIFO) siedeln sich im Dünndarm (Jejunum, Ileum) Bakterien/Pilze an. Diese kommen dort üblicherweise nicht vor. Die Keime stammen oftmals aus der Darmflora (Mikrobiom) des Dickdarms (Kolon). Typische Vertreter sind Bacteroides, Clostridium und Bifidobakterien. Diese Ansiedelung führt zu einer Verdrängung von den üblicherweise im Dünndarm vorkommenden Darmbakterien. Dazu zählen Keime wie Lactobacillen, Enterokokken und nebenher grampositive oder fakultative Anaerobier. Konsequenz dieser  Dünndarmfehlbesiedlung ist dass im Dünndarm Lebensmittel vorzeitig und anders fermentiert (vergärt) werden. Dies führt zur Entstehung von Darmgasen (u.a. Kohlenstoffdioxid, Methan, Schwefelwasserstoff). Diese lösen die Beschwerden aus. Entgegen früherer Annahmen ist der Dünndarm nicht bakterienfrei. Im Dünndarm finden sich 10.000 Bakterien pro Milliliter Darmsaft. Zum Vergleich Dickdarm: 1.000.000.000.000 Bakterien pro Milliliter Darmsaft.

Was schützt uns vor einer Dünndarmfehlbesiedelung?

Damit es zu keiner relevanten Dünndarmfehlbesiedelung/SIBO kommt schützt uns unser Körper durch verschiedene Schutzmechanismen vor einer krankmachenden Fehlbesiedelung durch Bakterien oder Pilze (Candida). Zu diesen Schutzmaßnahmen zählen neben einer vernünftigen Auswahl der Speisen (nichts verdorbenes), der Schutz durch Magensäure (tötet Bakterien und Pilze ab) und eine natürliche Darmreinigung. Die Darmreinigung durch peristaltische Muskelkontraktionen (Motilität) kann auch durch Medikamente unterstützt werden. Weiterhin schützen die Schutzklappe zwischen Dünn- und Dickdarm (Bauhin Klappe) sowie der Schutz der Darmschleimhaut durch eine überdies gesunde Darmflora (Eubiose). Zusätzlichen Schutz ermöglichen antibakterielle Substanzen der Darmschleimhaut, und der Darmschleim selber (wird durch Emulgatoren in Lebensmitteln angegriffen). Ebenso schützend sind Verdauungsenzyme sowie die darmeigene Abwehr (Immunsystem) mit Abwehrzellen und den sekretorischen IgA Antikörpern.

Was sind die Ursachen einer Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO)?

Häufige Ursachen der SIBO sind eine Antibiotikatherapie, ein Magensäuremangel (auch durch Medikamente/Säureblocker), Störungen der Darmbeweglichkeit (Motilität) oder höheres Alter. Neben diesen sehr häufigen Ursachen gibt es aber auch noch viele andere Ursachen. Diese sollten von einem Spezialisten abgeklärt werden. Die meisten dieser Ursachen reduzieren die Darmbeweglichkeit deutlich und damit auch die Reinigungsfunktion.

Diese Ursachen umfassen

  • Operationsfolgen
  • Darmdivertikel
  • Diabetes
  • Neuropathie
  • Sklerodermie
  • intestinale Pseudoobstruktion,
  • Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
  • AIDS
  • chronische Pankreatitis
  • Leberzirrhose
  • IgA-Mangel
  • variables Immundefektsyndrom (CVID)
  • nichtalkoholische Steatohepatitis
  • Fibromyalgie
  • Zöliakie

Welche Beschwerden treten bei einer Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO) auf?

Das Beschwerdebild der Dünndarmfehlbesiedlung ist ähnlich wie beim Reizdarmsyndrom (RDS) und geprägt von Verdauungsstörungen nach verschiedenen Nahrungsmitteln (Kohlehydrate, Fett, Protein Blähungen (Blähbauch), weicherem – häufigem – voluminösen Stuhlgang, bis hin zu Stuhldrang, Durchfall (Diarrhö), Bauchschmerzen und Bauchkrämpfen. Aus diesem Grund wird bei vielen SIBO-Betroffenen nach nicht ausreichender Diagnostik ein Reizdarmsyndrom diagnostiziert. Tatsächlich wird die Dünndarmfehlbesiedlung als eine häufige Ursache des Reizdarmsyndroms benannt. Die Schmerzen bei einer Dünndarmfehlbesiedelung entstehen durch die vermehrt gebildeten Gase. Kleine Mengen Gas werden üblicherweise in den Körper aufgenommen und abgeatmet. Die bei der SIBO anfallenden größeren Mengen Gas können den Dünndarm nicht ausreichend verlassen und dehnen den Darm von innen. Diese Dehnung verursacht Dehnungsschmerz, der als dauerhafter oder als krampfartiger Schmerz empfunden wird (viszerale Hypersensitivität). Neben Symptomen können auch Mangelerscheinungen zum Beispiel der Vitamine A, B12, D, E und K und von Eisen sowie Störungen im Gallesäurestoffwechsel auftreten.

Diagnose: Wie wird eine Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO) diagnostiziert?

Die Diagnose einer Dünndarmfehlbesiedelung erfolgt mit einem Glukose-Atemtest. In Ausnahmefällen mit einem Laktulose-Atemtest. Diese Tests haben keine hundertprozentige Sicherheit. Genauer gesagt ist die Aussagekraft sogar sehr limitiert. Diese Tests sind aber die aktuell besten Tests, da eine Keimbestimmung im Dünndarm wegen des hohen Aufwandes in der Routinediagnostik nicht geeignet ist und nur in Einzelfällen erfolgt. Ein leicht erhöhter Stuhl-Calprotektin Wert oder Veränderungen von Vitamin B12 und Folsäure sind zusätzlich diagnostisch hilfreich.

Zu allen spezifischen Fragen zur Diagnostik und Therapie sollten Sie am besten einen Arzt aufsuchen. Das Internet kann Ihnen Informationen geben, kann aber keine korrekte Diagnostik und Therapieführung ersetzen. Oftmals wird auch Diagnostik des Leaky Gut Syndroms durchgeführt, das ist aber medizinisch nicht notwendig. Typische Tests sind dann: Zonulin, Histamin, Antitrypsin, IgA, Stuhlanalyse, Florastatus.

Therapie: Wie wird eine Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO) behandelt?

Bei der Behandlung steht neben der Beseitigung erkennbarer Ursachen und einem Ausgleich von Mangelzuständen (Vitamin-Substitution) eine Ernährungs-Umstellung (Low FODMAP Diet, Spezielle Kohlenhydrat-Diät (SCD), in Einzelfällen: Elementar Diät) im Vordergrund. Je nach Bedarf kann auch eine medikamentöse Therapie erforderlich sein.

Die medikamentöse Therapie erfolgt klinischen Studien folgend mit Antibiotika (Rifaximin, Ciprofloxacin, Metronidazol, Doxicyclin, Neomycin) Antimykotika (Antipilzmittel, Nystatin, Amphotericin). Alternativ können in der selbst Behandlung auch natürliche Therapien wie pflanzliche Präparate, die die Darmflora günstig beeinflussen oder einen antibiotisch Einfluss haben sollen (Allicin, Oregano, Kümmelöl, Pfefferminzöl, Neemöl, Zimt, Lapachorinde (Pau d’Arco), Sauerdorn (Berberitze) und Wermut) oder Probiotika (z.B. Lactobacillus plantarum und Lactobacillus rhamnosus) eingesetzt werden. Nahrungsergänzungsmittel sind bei nachgewiesenen Mängeln sinnvoll. Eine echte Heilung kann nur durch erfolgreiche Behandlung der Grundkrankheit erfolgen. Empfohlene Präparate finden sich am Ende des Beitrags und sind nicht apothekenpflichtig. Ob Darmsanierungen, Darmspülungen oder eine Stuhltransplantation (Fecal Microbiota Transplantation, FMT) hilfreich sind, wie oft in Foren und Blogs diskutiert. Bei der Dünndarmfehlbesiedelung/SIBO ist dies nicht ausreichend untersucht und eher fraglich. Wenn die hier genannten Maßnahmen versagen kommen ergänzend Medikamente und Maßnahmen der Reizdarmtherapie zur Anwendung.

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

FODMAP-Diät – kurz erklärt

Was sind FODMAPs?

Was bewirken FODMAPs im Darm?

FODMAP und Erkrankungen

Low-FODMAP bei Colitis

FODMAP und Süßungsmittel

FODMAP-Küchentipps

FODMAP-FAQ

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